Runner’s high…dieser vielbeschworene Zustand, in dem man gar nicht mehr weiß wohin mit all den Glücksgefühlen beim Laufen. Runner’s high…dieser Zustand, ja quasi dieses läuferische Äquivalent zum Nirvana im Buddhismus. Dieser Zustand, der ungefähr genauso mysteriös ist wie der weibliche Orgasmus. Und genau darum geht es in diesem Artikel. Also um das runner’s high.
Und da ich tatsächlich schon mehrmals gefragt wurde, ob ich schon mal ein runner’s high erlebt habe: Mir persönlich ist es durchaus schon passiert, dass ich ein runner’s high hatte, aber es ist leider nicht so, dass ich dafür ein zuverlässiges Rezept hätte. Sprich es passiert nicht jedes Mal nach exakt 11,782 Kilometern, sondern unregelmäßig und in meinem Fall auch eher selten bis sehr selten.
Also was ist das überhaupt?
Aber von Anfang an. Was ist ein runner’s high denn überhaupt? Lange Zeit ging man davon aus, dass es ein Ergebnis von Endorphinausschüttung im Körper ist. Aber wie so oft, haben Wissenschaftler herausgefunden…und sind dann wieder hinein gegangen. Spaß beiseite und alles der Reihe nach.
Kurz gesagt ist ein runner’s high ein Gefühl der Schmerzunempfindlichkeit, von Euphorie und starkem Glück. Ich persönlich würde nicht so weit gehen und sagen, dass ich jemals Euphorie gefühlt habe beim Laufen. Was ich aber durchaus schon erfahren habe ist, dass Schmerzen beim Laufen nachlassen und ich ein großes Glücksgefühl spüre. Da das bei mir allerdings immer eine Kombination aus Laufen und sonnigem Wetter (im Winter hatte ich sowas noch nie ausser es war ein herrlich sonniger Tag!) ist, bin ich mir persönlich aber nicht 100% sicher, ob das runner’s high alleinig durch das Laufen entsteht.
Wie entsteht ein runner’s high?
Nach Untersuchung haben Wissenschaftler festgestellt, dass bei Langstreckenläufern während des Laufs bzw. bei langen Trainingseinheiten im aeroben Bereich sogenannte beta-Endorphine von der Hypophyse ausgeschüttet werden. Diese Endorphine beeinflussen Empfindungen wie Schmerz und Hunger und waren bzw. sind daher ein guter Kandidat für das vielbeschworene „runner’s high“. Allerdings legen neuere Untersuchungen nahe, dass das beta-Endorphin zwar mitverantwortlich ist für die Schmerzunempflichkeit, aber nicht alleine. Dies liegt daran, dass beta-Endorphine selbst überhaupt nicht ohne weiteres die Blut-Gehirn-Schranke überwinden können, um vom Blutkreislauf ins Gehirn zu gelangen und dort Glücksgefühle auszulösen. Wobei sie durchaus in anderen Körperregionen für reduziertes Schmerzempfinden verantwortlich sein können.
Also was löst denn jetzt nun das runner’s high aus? Vermutlich beruht das runner’s high viel mehr auf dem Zusammenspiel unterschiedlicher Botenstoffe, was wiederum der Grund sein könnte, warum ich ein runner’s high nie im Winter bzw. nur bei Sonnenschein erlebe (wenn überhaupt). Ein möglicher heißer Kandidat für die (Mit-)Verantwortlichkeit für das runner’s high ist aktuell das Endocannabinoidsystem. Bevor jemand fragt: ja, der Name kommt tatsächlich von den Wirkstoffen der Cannabispflanze, den Cannabinoiden.
Kurzgesagt werden im Endocannabinoidsystem Anandamide ausgeschüttet, die für Entspannung, reduziertes Schmerzempfinden und die plötzlich einsetzende Lust auf Reggae sorgen (letzteres muss allerdings noch in aufwändigen wissenschaftlichen Studien verifiziert werden). Vor allem nach langen Trainingseinheiten im aeroben Bereich wurden hohe Konzentrationen von Anandamiden im Blut von Probanden gemessen, die daher ein guter Kandidat für das Hochgefühl sein können.
Neben beta-Endorphinen und Cannabinoiden, gibt es aber noch weitere Botenstoffe wie Dopamin, Serotonin, die eine mögliche Rolle bei der Entstehung eines runner’s highs spielen könnten. Wie ihr schon seht, ist die Frage nach der Entstehung eines runner’s highs also gar nicht so leicht zu beantworten.
Aber wie komme ich denn jetzt zu meinem runner’s high?? Ehrlich gesagt, keine Ahnung 🙂 Studien legen zwar nahe, dass die Wahrscheinlichkeit eines runner’s highs bei moderaten Trainingseinheiten von 30 – 60 Minuten bei 70 – 85% der maximalen Herzfrequenz hoch sind, aber das hängt durchaus auch stark von Geschlecht, Alter, Fitnesslevel und einer ganzen Litanei weiterer Faktoren ab.
Muss es immer ein runner’s high sein?
Kurz gesagt: Nö. Klar wer mag das nicht, wenn man sich so gut fühlt, dass Schmerzen, Sorgen und Probleme komplett in den Hintergrund treten und man einfach nur noch glücklich ist? Laufen ist aber viel mehr als nur die Suche nach dem nächsten „Kick“, dem nächsten runner’s high.
Etliche Studien legen nämlich nahe, dass neben den positiven rein körperlichen Auswirkungen des Laufens, sich das Laufen auch auf unsere mentale Gesundheit auswirkt. Und zwar positiv. Stress wird reduziert, die Schlafqualität gesteigert, emotionale Stabilität verbessert, um nur einige der Vorteile von langen Laufeinheiten, nein regelmäßigem Sport, zu nennen.
Quellen
Hier sind noch die Quellen, die ich genutzt habe und die mir beim Schreiben des Artikels geholfen haben:
https://theconversation.com/the-neuroscience-behind-a-runners-high-287538
https://de.wikipedia.org/wiki/Endorphine
https://www.mdpi.com/1422-0067/22/1/338
https://de.wikipedia.org/wiki/Endocannabinoid-System
https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/anandamid/591

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